In 10 Wochen zum MVP „MetaKube“: Meine Eindrücke als Product Owner

Das Dashboard zum MVP MetaKube

In 10 Wochen zum MVP „MetaKube“: Meine Eindrücke als Product Owner

Ein neues Team soll ein neues Produkt bauen und einführen, dabei eine neue Methode ausprobieren und natürlich Neues lernen. Um eins vorwegzunehmen: Das MVP zu MetaKube ist erfolgreich an den Start gegangen! In diesem Beitrag spreche ich von meinen persönlichen Eindrücken zur Produktentwicklung, dem Selbstverständnis einer Organisation, agilen Methoden und Stolpersteinen. Teaser: Nur weil etwas „technisch fertig“ ist, ist es noch lange nicht fertig! 

Mein konkreter Auftrag war, als Product Owner ein „Kubernetes-as a Service“-Produkt für SysEleven verkaufsfähig und marktreif zu machen. Prickelndes Detail: Unserem Team standen 10 Wochen für das Minimum Viable Product (MVP) zur Verfügung. Eine Zeitperiode, die ich in meiner Funktion im Produkt- und Portfolio-Management für alle Neuentwicklungen selbst auferlegt habe. “Eat you own dogfood” sagen wir gerne bei SysEleven: Der Pansen war angerichtet.

Grundlagencheck: Kann SysEleven einen Kubernetes Service entwickeln?

… vor allem in so kurzer Zeit?

Wir haben bei SysEleven viele fleißige und talentierte Leute: IT-Systemelektroniker, Softwareentwickler, Nachrichtentechniker, System-Administratoren, Selbstlerner, mit Diplom, mit Bachelor und auch ohne – von allem ist etwas dabei.

Kluge Köpfe bei SysEleven: Check.

Im Fokus des Unternehmens stehen ausgereifte und flinke Systeme, die hochautomatisiert laufen. Self-made steht dabei hoch im Kurs – auch bei der Geschäftsführung – und das drückt viel über das Selbstverständnis aus: Wir wollen Verantwortung übernehmen und verstehen, was technisch hinter einer Lösung steht und in der Lage sein, selbst Anpassungen und Weiterentwicklungen vorzunehmen.

Kubernetes und SysEleven passen zusammen: Check.

Ich habe selbst mehrere Jahre ein Consulting Unternehmen geführt und dabei knapp 200 Unternehmen von KMU bis Fortune 500 betreut und Interna kennengelernt. Trotz dieser Menge reichte kaum ein Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern an die Ausgangslage von SysEleven heran:

  • Eigener redundanter Glasfaserring
  • Zwei eigene Rechenzentren und zusätzlich ein knappes Dutzend PoPs
  • Premium ISP für einige Dutzend Berliner High-Tech Unternehmen
  • Eine Leitungsinfrastruktur, an die selbst die ganz Großen nicht herumkommen
  • Eine komplette, selbstgeschriebene Automationssuite für Virtuozzo (OpenVZ), über die 65.000 Services wie aus einem Guss laufen, inkl. Monitoring, Logging und Trending
  • Vollständig selbstgebaute Backup und Recovery
  • Eigener Paket-Mirror
  • Vollintegrierte Nutzung von Gitlab CI
  • Selbstprogrammierte Kundenverwaltung und Abrechnung
  • Tatsächlich gelebte Cipher Council und Change Advisory Boards
  • Zertifizierungen für die Rechenzentren und die gesamte Plattform nach ISO 27001 nativ und IT-Grundschutz (BSI)
  • eigenentwickelte Public Cloud auf Basis von OpenStack
  • Über 450 zufriedene Business-Kunden, deren Gesamtumsatz deutlich in die Milliarden geht

SysEleven kann IT-Infrastruktur-Technologie: Check.

Die Methode: Mit Projektsteuerung Scrum zum MVP

Bevor wir die Arbeit an einem 10-Wochen-MVP aufgenommen haben, hatte sich ein kleines Forschungs- und Entwicklungsteam bei SysEleven bereits fast ein Jahr zuvor mit Kubernetes beschäftigt. In dieser Zeit gab es keine konkrete Projektsteuerung und auch keine dezidierten Zielvorgaben.

Ich selbst habe mich in der Vergangenheit stets aus verschiedenen methodischen Baukästen bedient und bin in dieser Hinsicht “agnostisch”. Mein Kollege im Produkt- und Portfolio Management dagegen ist zertifizierter Scrum-Master und begeisterter Verfechter der Methode. Gerade weil es um Softwareentwicklung ging, haben wir hier Vorteile gegenüber anderen Projektsteuerungen gesehen, wie zum Beispiel der Wasserfall-Methode oder dem V-Modell.

Die Vorteile von Scrum waren für mich unbestreitbar: Die Methode verhindert wesentliche Fehler, wie ich sie aus vorhergehenden Projekten (bei SysEleven wie auch bei anderen Unternehmen) kenne. Das Was, das Wie und das Warum konnten wir damit klären sowie Aufgaben verteilen und transparent darstellen. Allen war klar, warum wir wie und woran arbeiten. Auch aus den ursprünglich elf Epics konnten wir die fünf wichtigsten auswählen und für das MVP als zwingend definieren.

Das Dashboard für MetaKube

Als Tool für Scrum haben wir mit Youtrack gearbeitet. Die Software haben wir bei SysEleven zuvor schon eingesetzt und unser Scrum-Master konnte sie für unseren Zweck anpassen und verwalten. Youtrack hat sich als durchaus funktional erwiesen, so dass wir nicht noch fünf weitere neue Tools implementieren mussten, um das Thema zu stemmen.

Das Timing

Wer sich mit Teambuilding und deren Phasen nach Tuckmann auskennt, ist nicht überrascht, dass in Woche 1 und 2 nicht viel passiert. Und wer nur 10 Wochen Zeit hat, wird damit ganz und gar nicht entspannt umgehen. Kein Scherz: In Woche 2 sah ich mich genötigt, die Geschäftsführung über das Scheitern zu informieren – but boy, was I wrong. Wir haben Velocity aufgebaut, aber wie!

Und mehr noch: Wir haben unsere fünf festgelegten Epics umgesetzt – ohne wirkliche Überstunden oder Wochenendeinsätze! – und sind dabei sogar über einige Entwicklungspunkte hinausgegangen. Darauf dürfen wir wirklich stolz sein.

Darstellung der Entwicklungsgeschwindigkeit

MetaKube war fertig! Aber:

Learning: Warum „technisch fertig“ nicht fertig ist

Erst nach 7 Wochen war ersichtlich, dass wir den Aufwand für Marketing und Sales massiv unterschätzt haben. Das fängt bei einfachen Dingen wie neuen Angebotstemplates an (man glaubt gar nicht welche Diskussionsbereitschaft im positiven Sinn für ein Angebotsblatt entstehen kann) und führt hin zur Leadverwaltung, dem Grauen der Marketing-Automation sowie klassische Kampagnen-Planung und und und …

Obwohl wir Marketing und Sales als integralen Bestandteil des Produktteams konzipierten, fingen die Arbeiten an diesem Thema sehr spät an. Woran hat’s gelegen? Das hängt einerseits damit zusammen, dass zeitweise nur wenig Vorzeigbares vorlag. Andererseits spielt auch die DNA von SysEleven eine Rolle: Sie ist stark technisch geprägt und hat einen entsprechenden Fokus.

Worauf wir uns besinnen werden, ist Vermarktungsaktivitäten einen deutlich größeren Stellenwert zu geben. Dazu zählt neben Budgetfragen auch, dass alle Mitarbeiter ihre Hol- und Bringschulden kennen: Die Vermarktungsmaschine wird die Technik mit Fragen löchern und die Technik wiederum proaktiv ihr Wissen in die Vermarktung einbringen.

Danke für das tolle Minimum Viable Product!

Mir persönlich hat die Arbeit in einem agilen Team sehr viel Spaß gemacht, was auch an den Kollegen im Team liegt. Ein besonderer Dank geht an das MetaKube Team für die erfolg- und lehrreiche Zeit sowie für das tolle MVP! Die letzten Wochen haben gezeigt: Der Quell an Ideen und Energie von SysEleven scheint nicht erschöpflich. Ich freue mich auf unsere zukünftigen Entwicklungen – die natürlich alle mindestens so erfolgreich werden!

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