Der Alltag im Remote Office: Grüße aus Sofia

Der Ausblick vom Balkon im bulgarischen Ostblock, in dem unser Kollege zur Zeit wohnt und sein Remote Office hat.

Der Alltag im Remote Office: Grüße aus Sofia

Unser Kollege Bruno hat sich nach dem Studium für ein halbes Jahr nach Bulgarien verabschiedet und bleibt per Remote Office weiter bei SysEleven als Werkstudent im Service Operations Center. Wir wollten wissen: Wie fühlt es sich an, so weit weg zu sein und trotzdem am “normalen” Arbeitsalltag teilzuhaben? Ein Zwischenbericht aus Sofia. 

Es ist sind jetzt etwa zwei Monate und ein Jahreszeitenwechsel nach meiner Ankunft in Bulgarien vergangen. Hier ist es eine Stunde später als in Deutschland, dementsprechend endet mein Arbeitstag nach dem aller anderen. Aber dafür kann ich länger schlafen!

Der Tagesablauf im Remote Office

Nachdem ich mich im Bad ausreichend für meine Wenigkeit herausputze, öffne ich im Pyjama den Laptop, um mir meine Aufgaben aus dem Ticketsystem zu ziehen. Sind die Tickets erstmal gegriffen, begrüße ich kurz die Sonne auf einem der Balkone im “Ostblock”, den ich hier mein Zuhause nenne. Hier muss ich noch klarstellen: Ostblöcke sind in Bulgarien Gang und Gebe, die Zimmer sind gut geschnitten und der Ausblick auf eines der fünf Sofia umgebenden Gebirge ist wirklich umwerfend.

Vom Balkon schlender ich mit einem Sauermilchjoghurt und Kaffee zu meinem Schreibtisch. Denn jetzt sind meine Gedanken geordnet – und der strategische Angriffsplan liegt bereit. Es kann losgehen.

Der Schreibtisch im Remote Office unseres Kollegen ausgestattet mit Laptop, Bildschirm und Sonnenlicht.

Das Wichtigste für den Schreibtisch: Laptop und Kaffee. Und Sonnenlicht.

Wenn es Zeit für unsere tägliche Stehbesprechung wird, in der jeder kurz seinen Status zu den eigenen Tickets abgibt, sitze ich gute 1.500 Kilometer entfernt und bin per Mikrophon zugeschaltet. Die Sprachqualität der Besprechungsanlage lässt, wenn das Team im Büro nicht direkt davor sitzt, manchmal zu wünschen übrig. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Besprechungsräume wegen des Umzugs von SysEleven noch nicht ganz fertig sind – bald wird es eine bessere Anlage geben. Ich gebe meinen Schlachtplan als Kurzstatus wieder und lausche, was die anderen zu berichten haben.

Die Eigenorganisation mit einem Ticketsystem fällt denkbar einfach, immerhin habe ich für mein Privatleben auch eins. Ist man da gut organisiert, läuft alles wie von selbst. So zumindest die Wunschvorstellung.

Mit dem Hintergedanken in solch einer Flexibilität zu leben – für so lange Zeit von so weit weg arbeiten zu können – sollte man sich auch besser keine schlechte Organisation erlauben und diszipliniert bleiben. Deswegen haben mein Teamleiter und ich bereits vor meiner Reise getestet, ob ich trotz räumlicher Distanz gut arbeiten kann. Hierfür habe ich mich eine Woche in eine Datsche im Brandenburger Land verabschiedet.

Aus dieser Erfahrung weiß ich: Konzentriert arbeiten geht bei mir am besten mit der richtigen Musik. Aktuell ist das irgendwas Schönes von Air, Alt-J, AnnenMayKantereit oder vielleicht Daft Punk, Kaleo? Manchmal setzt dabei der Hyperfokus ein, manchmal vermisse ich Berlin und bekomme feuchte Augen, manchmal muss ich tanzen und singen.

Was in der Ferne fehlt

Das ist natürlich auch so ein Punkt. Ist man im Büro, bekommt man den schrägen Humor der Kollegen mit. Das fehlt hier, also schreibe ich gelegentlich witzige Dinge in den Gruppenchat mit der Hoffnung, jemanden zum Lächeln bis Grunzen zu bringen. Und dass was zurückkommt.

Über den internen Chat sind die Kollegen gut erreichbar. Wenn sie allerdings mehr zu tun haben, fällt mir wieder auf: Ich kann leider nicht einfach rübergehen und ausdauernd in die Richtung lächeln, bis ich spontan eine Antwort auf meine ach so brennende Frage bekomme, die mich im digitalen Schaffen aufgehalten hat. Sonst muss ich sagen: Mit der Kommunikation läuft es größtenteils rund.

Die Ferne macht es außerdem schwer, ein Meeting zu organisieren. Klar kann man eine Einladung verschicken. Aber die Kommunikation läuft dann erstmal nur zwischen jeweils zwei Personen. Auf dem Flur geht das leichter – oder Montags, Mittwochs und Freitags, wenn bei SysEleven gekocht wird. “Du, du und du. Na wie wärs? Lust auf ein Meeting?” Aus der Ferne ist das schwieriger.

Während die Arbeit gut von der Hand geht, weil ich mit geringer Ablenkung konzentriert zur Tat schreite, fehlt mir natürlich auch Berlin. Freunde, Freundin, der schnelle Sprung zu meiner Mutter und meinem kleinen Bruder – alles weit entfernt. Die Sehnsucht und der Herzschmerz ist riesig. Das Klopfen in meiner Brust ist manchmal wie ein Hase, der wütend auf meine Rippen trommelt. Dafür habe ich hier einen Großteil meiner bulgarischen Familie. Mit dieser habe ich, seitdem ich klein war, nicht mehr so viel Zeit verbracht, wie ich es jetzt kann.
Aber waren bis jetzt auch erst zwei Monate. Mal sehen wie es sich entwickelt.

Der Blick aus der bulgarischen Bar offenbart ein Bild aus Bäumen und Häusern beim Sonnenuntergang.

Ausblick aus der Bar in Sofia am Feierabend

Gleich habe ich Feierabend und es geht vor die Tür zu meiner Lieblingsbar oder auf einen Spaziergang. Immerhin muss ich die fehlende Bewegung (weniger Bürogänge, keine An- und Abfahrt) wieder abtanzen – vielleicht ja auch in Form von ein paar Hüftschwüngen.

Liebe Grüße aus Sofia
Bruno

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